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Landesverbände Ost im BDK e.V.



G5 BDK-WappenLandesverbände
Ost im BDK e.V.



Gründung der Landesverbände Ost und deren Eintritt in den Bund Deutscher Karneval e.V.

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Das neue Vereinsgesetz der DDR GBL I/10 vom 28. Februar 1990 ließ endlich die Bildung von frei gewählten Vereinigungen zu. Dazu waren die bis dahin geltenden Statute in Satzungen umzuwandeln und die Selbständigkeit - mit eigenem Vorstand – im Vereinsregister einzutragen.

gesetzblatt

Dass dies kein einfacher Prozess war, versteht sich von selbst. Die politische Aufarbeitung von Trümmern der sozialistischen Kulturlandschaft war das eine, die Neufindung das andere Problem. Jetzt wurden neue Führungsgremien demokratisch gewählt, da blieb mancher auf der Strecke. Tragende Persönlichkeiten mussten den Berufswechsel über sich ergehen lassen, der oft auch ein Standortwechsel war. So stand manches Vereinsmitglied nicht mehr zur Verfügung, weil er nun auch der Bürgermeister seines Ortes wurde. Die Entwicklung verlief unterschiedlich, es gab anfangs nur wenige, die gewillt waren, sich wieder zu einer neuen organisierten Verbandsbildung zu bekennen.

Die Zeit der KAK, StAK, BAK und ZAK war jedenfalls vorbei, einem quälenden Dogmatismus und Zentralismus folgte nun auch „de jure“ die Freiheit des Wortes und der Tat. Der Minister für Kultur hat die Mitglieder des ZAK nach dessen Auflösung aus dem Ehrenamt offiziell entlassen.

Der Zentrale Arbeitskreis Karneval der DDR (ZAKCC) hat sich am 29.11.1989 aufgelöst und ein geschäftsführendes Präsidium zur Bildung eines „Verband Deutscher Karneval“ für die DDR gewählt.

Vom 29.11.-1.12.1989 tagte in Leipzig – Haus Auensee - der ZAK, 17 Mitglieder waren anwesend, 8 Mitglieder waren entschuldigt. Die Ergebnisse der Beratung waren:

  • Der ZAK übernimmt die politische und inhaltliche Verantwortung für den Karneval in der DDR und ist gewillt, eigenständig zu handeln. Die Unterstützung durch das Zentralhaus für Kulturarbeit (ZfK) wird mindestens für 1990 erbeten.
  • Die Parteigruppe des ZAK wurde mit 15:2 Stimmen aufgelöst, Genosse K.- H. Barthel (Jena) von der Aufgabe als Parteigruppenorganisator entbunden.
  • In geheimer Wahl erfolgte die Neubesetzung der Leitung des ZAK. Von 8 vorgeschlagenen Kandidaten bekamen:
    • Jürgen von der Heydt - Dessau: 17/0 Stimmen
    • Rolf Fliedner - Erfurt: 13/4 Stimmen
    • Jens Schladitz - Jessen: 13/4 Stimmen
    • Dieter Stengler - Kitzen: 12/5 Stimmen
    • Karl-Heinz Barthel - Jena: 11/6 Stimmen
  • Karnevalclubs sollten eigenständig, in Übereinstimmung mit den örtlichen Räten festlegen, welche Anordnungen und Richtlinien (Kalkulation, Einstufungen) noch Anwendung finden.
  • Eigenständige Errungenschaften unseres DDR-Karnevals sollten bewahrt und weitergepflegt werden.
  • Der ZAK beschloss seine Umbenennung in „Geschäftsführendes Präsidium zur Gründung eines Verbandes Deutscher Karneval“ für die DDR.
  • Als Pressesprecher wurde Günter Steinert (Glauchau) in den gewählten Vorstand kooptiert.
  • Der bisherige „Geschäftsführer“ Wolfgang Blumstengel (ZfK) wurde beauftragt, zur Vorbereitung der Verbandsgründung einen offenen Brief an die Klubs zu verfassen.
  • Die ehemalige ZAK-Leitung wurde beauftragt, bis zum 30.03.1990 dem geschäftsführenden Präsidium einen Entwurf der künftigen Satzung des Verbandes zu erarbeiten.
  • Dieser Verband sollte zum geplanten 28. Zentralen Präsidententreffen der Karnevalklubs der DDR - 1991 in Meißen - gegründet werden.
  • Zur weiteren Profilierung des geschäftsführenden Präsidiums wurde beschlossen, Fachgruppen zu bilden und eine Zeitschrift herauszugeben, dessen Chefredakteur Rolf Fliedner werden sollte.

Das konstituierende geschäftsführende Präsidium wurde gebildet von:

  • Jürgen v.d. Heydt - Dessau
  • Jens Schladitz - Prettin
  • Rolf Fliedner - Erfurt
  • Dieter Stengler - Kitzen
  • Karl-Heinz Barthel - Jena
  • Günter Steinert - Glauchau

J.v.d. HeydtJürgen von der Heydt – der Vorsitzende - hatte eine klare Vorstellung von einem DDR-Verband. Dazu sollten die bestehenden Bezirks- und Kreisarbeitskreise beibehalten bleiben. Diese aber waren nach meiner Auffassung mit der Neugründung von Vereinen aber längst überflüssig geworden.
Ich widersprach mit der ebenso klaren Forderung, dass neu zu gründende ostdeutsche Verbände allein in einem vereinten deutschen BDK ihren Platz haben sollten. „Deutschland einig Narrenland“ – das war mein Credo. So wurde am Ende der DDR-Verband weder eingetragen noch aktiv.

Am 06.12.1989 hat das Zentralhaus für Kulturarbeit (ZfK) einen offenen Brief an die Karnevalclubs der DDR verschickt. Das von Wolfgang Blumstengel (Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim ZfK) unterzeichnete Schreiben teilt darin mit, dass:

„... der ehemalige ZAK (seit 29.11.1989 als geschäftsführendes Präsidium konstituiert) und das Zentralhaus für Kulturarbeit davon ausgehen, dass mit sofortiger Wirkung die politische und inhaltliche Verantwortung vom Zentralhaus und den Kabinetten für Kulturarbeit auf die entsprechenden Arbeitskreise übergeht.“

Damit waren ZAK, Bezirks- und Kreisarbeitskreise gemeint.

Die ersten Kontakte zum BDK

Heinz WackerAm 3. Januar 1990 hat BDK-Präsident Heinz Wacker zum ersten „deutsch-deutschen Narrengipfel“ nach Braunschweig eingeladen. Der Präsident des Verbandes Niedersachsen – Kaju Hänsel (Hannover) – hatte alle Vorbereitungen getroffen. Mit Beisitzer Wolfgang Roeb (Berlin) und Protokoller Anton Lamerz (Duisburg) vom BDK-Präsidium - trafen sich vom sogenannten „Verband Deutscher Karneval der DDR“ Jürgen von der Heydt (Dessau), Jens Schladitz (Prettin) und der ZfK-Mitarbeiter Dietmar Werner im Rathaus von Braunschweig. Oberbürgermeister Gerhard Glogowski nahm als Hausherr zeitweise an den Beratungen teil. Nach den Statements der beiden Präsidenten über die Bedeutung des ersten Treffens, wurden die Strukturen beider Seiten vorgestellt. Danach widmete man sich den gemeinsamen Aufgaben in der Zukunft. Gleiche Interessen und sich ähnelnde Fachbereiche wurden festgestellt.
Die Anschriftenlisten beider Verbände wurden ausgetauscht, das Deutsche Fastnachtmuseum in Kitzingen und die Närrische Europäische Gemeinschaft, Sitz Mainz, vorgestellt. Schließlich einigte man sich auf eine koordinierende künftige Zusammenarbeit. Seitens des BDK erging eine Einladung an den „VDK“ zu den Deutschen Meisterschaften in Münster.

Am 08.02.1990 hat der Vorstand des Landesverbandes Berlin e.V. (West) beschlossen, dass sich „Ostvereine“ als „hospitierende Mitglieder“ um Aufnahme beim Berliner Karneval-Verband bewerben können. Am Vorabend der Deutschen Meisterschaften im Karnevalstanz in Münster - am 24. März 1990 - folgte die nächste Zusammenkunft BDK e.V./“VDK“ in Münster. Jürgen von der Heydt und Jens Schladitz aus Sachsen-Anhalt, die Sachsen Lothar Franze (Dresden) und Dieter Stengler (Kitzen/OT Thesau) waren die ersten Gesprächspartner.
Heinz Wacker erkannte die Situation und die deutliche Zurückhaltung der Gesprächsteilnehmer, die eher für Eigenständigkeit eines DDR-Karnevals plädierten. In den folgenden Gesprächen mit Jürgen von der Heydt habe ich mich allerdings dazu nicht überreden lassen.
Eine längere Gesprächspause zwischen Jürgen und mir war die Folge, sicherlich auch bedingt durch den zusammengebrochenen Telefon- und Postverkehr. Wir sahen uns auch nicht am 20. April in Berlin, wohin Wolfgang Roeb – der Beisitzer im BDK - die „Ostpräsidenten“ in die Schultheiß-Brauerei zu einer Aussprache mit dem BDK-Präsidenten eingeladen hatte. Heinz Wacker erläuterte den anwesenden Präsidenten der DDR-Klubs seine Vorstellungen über Möglichkeiten eines Beitritts in den BDK. Hierbei bekräftigte ich nochmals meinen Standpunkt, dass zu gründende Landesverbände der DDR in den BDK eintreten sollten. Roeb und Wacker luden mich am nächsten Morgen in die oberste Etage des KaDeWe ein, um sich meine Auffassung bestätigen zu lassen.


Inzwischen liefen schon weitere Aktivitäten im DDR-Karneval, bereits am 04. März erfolgte die Gründung des „Verband Sächsischer Carneval„ für Sachsen in Meißen.

Gründung VSC

Teilnehmer der Unterzeichnung der Gründungsurkunde des VSC im Wappensaal der Albrechtsburg (v.l. Manfred Jurytko und Walter Stegmayer beide Vize LV Württemberg; Dr. Henry Hasenpflug Vice VSC; Andreas Weichmann MCV-Präsident)

Auf der Beratung des Bezirksarbeitskreises Karneval - Bezirk Dresden am 27. Januar 1990 in Dresden werden folgende Festlegungen getroffen:
Die Gründung des Verbandes Sächsischer Carneval soll am 4. März 1990 in Meissen stattfinden. Die Organisation der Gründungsveranstaltung wird dem Meissner Carneval Verein Missnia übertragen. Die Teilnehmerzahlen für die Gründungsveranstaltung werden wie folgt festgelegt:
- Bezirk Karl-Marx-Stadt: 80 Teilnehmer
- Bezirk Dresden: 120 Teilnehmer
- Bezirk Leipzig: 120 Teilnehmer
jeder Bezirk ist berechtigt, 10 Ehrengäste einzuladen.

Aus der Bundesrepublik werden die Präsidenten aus Niedersachsen, Baden-Württemberg, Hannover und Bayern eingeladen. Es werden als besondere Ehrengäste eingeladen:
- Bürgermeister der Stadt Meissen
- Ratsmitglied für Kultur des Bezirkes Dresden
- Mitarbeiter des Zentralhauses für Kulturarbeit Leipzig
- Mitarbeiter des Bezirkskabinetts für Kultur Dresden
Weiterhin werden eingeladen: Vertreter der Presse, des Rundfunks und Fernsehens. Die Unterzeichnung der Gründungsurkunde soll in einem repräsentativen Raum in der Albrechtsburg Meissen stattfinden. In der relativ kurzen Vorbereitungszeit für die
Gründungsveranstaltung
setzte der Elferrat des Meissner Carneval Vereins Missnia fast alle Mitglieder zur Lösung organisatorischer sowie Versorgungs- und Betreuungsaufgaben ein. Er führte die notwendigen Absprachen mit der Leitung der Albrechtsburg und mit dem Bürgermeister der Stadt Meissen, mit verschiedenen Ratsmitgliedern sowie mit der Hotel- und Gaststättenleitung vom Hamburger Hof Meissen. Die Gründungsurkunde wurde angefertigt und nach Meissen gebracht. Es musste die Genehmigung des Siegelbewahrers der Stadt Meissen zwecks Siegelung der Gründungsurkunde mit dem ältesten Stadtsiegel eingeholt werden.
Pünktlich um 10.00 Uhr eröffnete der Präsident des Meissner Carneval Vereins Missnia, Andreas Weidmann, die Gründungsveranstaltung. Nach der Begrüßung erfolgte durch den Tagungsleiter, Vizepräsident des MCV Horst Blawitzki die Bekanntgabe der Tagesordnung, die Benennung des Tagungspräsidiums. Des Wahlausschusses und des Redaktionsausschusses.
In einer kurzen Rede erklärte der Vorsitzende des Bezirksarbeitskreises Karneval - Lothar Franze, das Anliegen der Konferenz, die Notwendigkeit der Gründung eines Verbandes, in dem sich die Klubs und Vereine der drei sächsischen Verwaltungsbezirke zusammenschließen sollten, sowie die Verfahrensweise des Gründungsprozesses.
Danach erfolgte die Diskussion zur Verbandssatzung mit besonderen Hinweisen der Vertreter des Landesverbandes Württembergischer Karnevalsvereine e.V., Vizepräsident Manfred Jurytko und Vizepräsident Walter Stegmaier.
Nach der Mittagspause gab der Redaktionsausschuss die geänderte Satzung bekannt. Die Satzung wurde zunächst so angenommen.

Der nächste Tagesordnungspunkt sah die Wahl eines vorläufigen Arbeitspräsidiums vor.
Nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses stellte sich zugleich der gewählte Präsident Lothar Franze, Dresden, vor und gab bekannt, dass in das vorläufige Arbeitspräsidium drei Vizepräsidenten, die die drei Bezirke vertreten, ein Schatzmeister; ein Verbandssprecher, ein Protokollführer und drei Beisitzer in das Arbeitspräsidium gewählt wurden. Die Unterzeichnung der Urkunde fand im historischen Wappensaal der Albrechtsburg statt. 66 Klubs traten in den Verband ein, 23 konnten sich nicht entschließen.
Anschließend fand im Hamburger Hof eine Gemeinschaftsveranstaltung ausgewählter Vereine statt.


23. April: Gründung des Karnevalverbandes Sachsen-Anhalt in Dessau

Niederschrift

über die Versammlung der Karnevalsvereine und -clubs der Bezirke Halle und Magdeburg zur Gründung eines Landesverbandes Sachsen-Anhalt am 22.04.1990 in Aschersleben

Eingeladen zu dieser Beratung hatten die ehemaligen Bezirksarbeitsgemeinschaften "Karneval" Halle und Magdeburg (BAK). Der Einladung waren 41 Clubs und Gesellschaften gefolgt.
Der ehemalige Vorsitzende des Zentralen Arbeitskreises (ZAK), Herr v. d. Heydt, legte vor den Anwesenden dar, dass er in Abstimmung mit den BAK-Mitgliedern Magdeburgs den Vorschlag unterbreitet, für die zukünftige Region Sachsen-Anhalt einen regionalen Karnevalsverband, analog den Altbundesländern, zu gründen.
In seinen Darlegungen erläuterte er weiterhin die von ihm geführten Verhandlungen mit dem Landesverband Hannover und dem Bund Deutscher Karneval (BDK).
Nach gründlicher Diskussion erklärten sich von 41 Clubs 38 bereit, einen Landesverband zu bilden und diesem beizutreten.
Es wurde der Vorschlag unterbreitet, für 1 Jahr ein Arbeitspräsidium von 11 Mitgliedern zu bilden und dieses im April 1991 in einer ordentlichen Hauptversammlung durch eine erneute Wahl zu bestätigen bzw. durch neue Mitglieder im Präsidium zu ergänzen. Weiterhin wurde der Versammlung der Entwurf einer Satzung des Landesverbandes übergeben. Auch hierzu wurde der Vorschlag unterbreitet, diese bis zum April 1991 in den Clubs zu diskutieren, um sie dann in der durchzuführenden Hauptversammlung zu bestätigen.
Das Arbeitspräsidium setzt sich wie folgt zusammen:

  • Präsident: J. v.d. Heydt
  • Vizepräsident: E. Kegel
  • Vizepräsident: H. Schulze
  • Vizepräsident: B. Depping
  • Vizepräsident: H. Pleß
  • Schatzmeister: R. Arndt
  • Protokollchef: W. Hotze
  • Beisitzer: H.-J. Eschig, R. Schneider, R.Becker, S.Schalow

Gründung LSA


Die Zeit handelte immer schneller, als es unsere Bemühungen vermochten. Die Straße skandierte inzwischen: „Deutschland einig Vaterland“. So teilte ich am 25.04.1990 dem „Ostbeauftragten“ des BDK, Wolfgang Roeb (Berlin-West) in einem Brief u.a. mit:

„Ich plädiere für eine gemeinsame Aussprache bis zum 30.06., um einen sinnvollen Weg zu 'Deutschland einig Narrenland' zu finden. Ich meine, dass wir, die 'Führenden', dies unserem 'Fußvolk' schulden, auch wenn sich keiner von uns – nach dem demokratischen Filter – auf einer höheren Sprosse wiederfinden sollte. Dies wäre kaum verwunderlich, da auch jene, die unsere Wende einleiteten, nun auch irgendwo auf der Strecke geblieben sind.“

16. Mai – nach mehrmaligen Anläufen gelang Heinz Wacker eine telefonische Verbindung nach Erfurt. Leider musste ich ihm bestätigen, bisher keine Verbindung zu Jürgen bekommen zu haben und informierte ihn, dass am gleichen Tage in Erfurt das Vorbereitungskomitee für die LTK-Gründung tagt und in der Satzung der Beitritt Thüringens zum BDK vorgesehen ist.

17.Mai der Brief Heinz Wackers erreichte mich mit der Bitte, vor der Verbandsgründung noch ein gemeinsames Ge-spräch mit Jürgen von der Heydt zu organisieren. Natürlich konnte ich ihm versichern, dass der künftige Verband Thüringen zum BDK steht und wir alles tun werden, die Kollegen in den neuen Ländern von einem gleichen Schritt zu überzeugen. Zunächst aber ging es um das Schwergewicht von der Heydt, der inzwischen zum Präsidenten eines Landesverbandes Sachsen-Anhalt gewählt war.

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